Die Mumifizierung in Europa

Info-Box

Hier wird zum Ausdruck gebracht, dass auch in der Neuzeit Leichname für die Nachwelt konserviert wurden.

Selten geschah dies aus religiösen Gründen, doch sehr wohl aus ideologischen.

Im Falle von Rosalia konnte sich ihr Vater nicht von seiner geliebten Tochter trennen, aber im Falle von Lenin wurde ein regelrechter Kult ins Leben gerufen. Dieser Kult diente einzig der Legitimation eines diktatorischen Regimes. Lenins Mumifizierung ist da kein Einzelfall. Als Beispiel dienen hier Mao Zedong (China) und Kim Il-Sung (Nord Korea).

Die schönste Mumie der Welt

Rosalia Lombardo war eines der letzten Opfer der Spanischen Grippe, als sie im Jahr 1920 starb.

Ihr Vater bekniete die Mönche Rosalia einen Platz in deren Gruft von Palermo auf Sizilien zu gewähren. Das Mikroklima in der Gruft sorgt dafür, dass Leichen außergewöhnlich gut erhalten bleiben. Trotz des Bestattungsverbotes der Regierung wurde dem Vater, 40 Jahre nach der letzten Bestattung in der Gruft, dieser Wunsch gewährt.

Zusätzlich beauftragte er den Präparator Alfredo Salafia um Rosalia konservieren zu lassen. Dieser orientierte sich an den Konservierungsmethoden des amerikanischen Bürgerkrieges um Rosalias Schönheit für immer zu erhalten.
In ihre Adern wurde daraufhin eine spezielle Lösung injiziert. Diese beinhaltet:
  • ein Teil Glyzerin
  • ein Teil Formalin, angereichert mit Zinksulfat und Chloriden
  • ein dritter Teil Alkohollösung mit Salicylsäure
Der Präparator stach die Kanüle in eine Oberschenkelarterie, platzierte den Behälter mit Flüssigkeit über Rosalias Körper und ließ die Schwerkraft arbeiten. Das verdrängte Blut floss über einen Venenschnitt ab.
Dieses Verfahren ähnelt stark der heutigen Technik.

Außerdem wurde Rosalia in einem doppelt verglasten Sarg aufgebahrt. Dieser ist mit Blei ausgekleidet und durch Wachs abgedichtet. Schließlich befindet sich der Sarg in leicht geneigter Position.


Abb.18: Rosalia Lombardo im Kapuzinerkloster von Palermo

Der rote Pharao

"Sein Zustand ist stabil. In den letzten 40 Jahren habe ich keine Veränderungen feststellen können", so Juri Romakow, der seit 1952 die Leiche hegt und pflegt. Im Mausoleum am Roten Platz von Moskau liegt er aufgebart, einer der größten Revolutionäre und Visionäre der Welt - Wladimir Iljitsch Lenin. Doch wie wurde dieses Meisterwerk der Konservierung vollbracht?

Genau zwei Monate nach seinem Tod und dann vier Monate lang wurde der "Körper Nr.1" mit einer besonderen Einbalsamierungsmethode behandelt. So kann er noch nach über 70 Jahren von Touristen bewundert werden.

Dafür wurden Lenin als erstes die inneren Organe entnommen und die Körperhöhlung zuerst mit destilliertem Wasser, dann mit Essigsäure ausgespült und schließlich mit Formalin fixiert. In Form von Auflagen wirkten dieselben Chemikalien auf Gesicht, Rumpf und Händen. Man legte den ausgepolsterten und vernähten Körper in eine Wanne, die mit Kaliumazetat, Alkohol, Chlorchinin, Phenol als Desinfektionsmittel, sowie Wasser gefüllt war. Um Flecken vorzubeugen verwendete man Essigsäure und Wasserstoffperoxid für einen rosigen Teint. Durch Glycerin gewann der Körper nach einigen Wochen seine Feuchtigkeit wieder. Noch heute sind ihm Gummibinden um den Bauch gebunden welche immer mit Glycerin getränkt sind. Außerdem unterspritzte man Formaldehyd in eingefallene Gewebepartien.

Lenins Schädel wurde von hinten geöffnet, sowie 20 Schnitte in Schulter, Rücken, Bauch, Becken, Brustkorb und Gesäß gesetzt. Er sollte so auch von innen getränkt werden.
Schließlich bekam er Kunstaugen eingesetzt, damit die Lider nicht einfallen und sie und der Mund wurden von Innen zugenäht. Mit seinem alten Feldrock bekleidet, kam Lenin im Sommer immer wieder für mehrere Stunden im Rollstuhl an die frische Luft.


Abb.19: Lenin im Mausoleum von Moskau

Die Hüter des Körpers bestreichen die sichtbaren Partien mit der oben genannten Lösung und alle 18 Monate muss er dafür, dass dieser Zustand auch weitere 70 Jahre halten möge, etwa zwei Monate lang wieder in den Speziallösungen gebadet werden. Im Mausoleum muss eine Temperatur von 16°C und eine Luftfeuchtigkeit zwischen 60% und 70% gehalten werden.

nach oben