Die Mumifizierung in Südamerika

Chachapoya - Das Volk über den Wolken

In den feuchten Bergwäldern des Hochlandes der Anden in Peru thronten die Chachapoya über den Wolken. Woher sie damals kamen ist bis heute ungeklärt, ca. 800 n. Chr. drang dieses kriegerische Volk vermutlich aus dem Hochland oder dem östlichen Tiefland in das damalige Inkaterritorium ein. Von diesem Tag an waren sie das erste Volk, welche den Inkas trotzen konnte. Von den Inkas erhielten sie ihren, heute überall bekannten, Namen quechua - Nebelwald-(menschen).


Abb.7: Hochland von Peru, Heimat der Chachapoya

Am bekanntesten ist dieses Volk für seine außergewöhnlichen Grabstätten. Die Chachapoya verfolgten zahlreiche Bestattungsformen. Grund für die Unterschiede sind nicht nur der gesellschaftliche Stand, sondern auch die Clanzugehörigkeit. Zwar entwickelten die zu Anfang sprachlich und ethnisch unterschiedlichen Gruppen im Laufe der Besiedelung eine gemeinsame Architektur und einen gemeinsamen Keramikstil, doch die Bestattungsriten waren nach wie vor regional voneinander distanziet.

Die Bestattungsformen gingen von ganz einfachen Bestattungen wie in den Lehmfußböden der Wohnhäuser, in Felsspalten mit Steinen bedeckt oder als Abris-Bestattung (Gräber unter größeren Steinen und zwischen Felsblöcken oder in Höhlen), bis zu sehr aufwendig gestalteten Formen. Dazu gehören die Lehmsarkophage/ -statuen von Karajia und die Mausoleen von Revash, auch Chullpas (mit Lehm verschlossene kleine Höhlen) wurden gefunden. Oft haben diese Toten Gesichtsmasken auf und die Gräber und Sarkophage wurden bemalt

Abb.8: Die Lehmsarkophage von Karajia

Meist werden die Toten mumifiziert, als Bündel in Embryonalhaltung, geborgen. Die Ursache dafür besteht einerseits in natürlichen Faktoren wie die niedrigen Temperaturen und der geringen Luftfeuchtigkeit in den Kalkfelsen, andererseits wurden auch pflanzliche Stoffe gezielt eingesetzt. An der Laguna de los Condores wurden darüber hinaus 185 Mumien gefunden, welche speziell behandelt wurden. Den Männern wurden die Gedärme und Mägen durch den After entfernt. Bei den Frauen entfernte man die Innereien durch die Vagina. Diese Grabanlage wurde über viele Generationen für Bestattungen genutzt.


Abb.9: Eine Chachapoyamumie aus der Laguna de los Condores

Die Chachapoya wurden von den spanischen Konquistadoren schließlich verdrängt, die Kultur starb aus und heute ist nicht einmal mehr ihr richtiger Name bekannt. Doch in ihren Gräbern hoch über den Wolken überdauerten sie die Jahrhunderte und wachen über die Grenzen ihres Reiches.


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