Die Mumifizierung in Asien

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Die Askese- und Esoterikschulen des Buddhismus griffen die in der Han-Dynastie praktizierten Methoden der Lebensverlängerung später auf.

Die Fürstin von Dai schien die lebenserhaltende, gesunde Ernährung für weniger erlebenswert gehalten zu haben, denn zu Lebzeiten war sie in einem schlechten gesundheitlichen Zustand. Mit nur 1,54m wog sie einstmals 80 kg. Sie hatte stark verengte Herzkranzgefäße und litt allgemein unter Arteriosklerose, zahlreichen Gallensteinen, einer leberschädigenden Wurmkrankheit und Tuberkulose. Außerdem hatte sie einen Bandscheibenvorfall, ging demnach am Stock und sie hatte eine Quecksilber- und Bleivergiftung. Dies hatte schwere Nerven- und Leberschäden zur Folge. Gestorben ist sie an einem Herzinfarkt in Folge einer Gallenkolik nach dem Verzehr von Moschusmelone.

Umso erstaunlicher ist ihr postmortaler Zustand. Sie wiegt 34,3 kg, ihre Gelenke sind erstaunlich beweglich, ihre Organe sind zwar geschrumpft, aber intakt und die Knochen waren zwar entkalkt, aber vollzählig.

Der Kampf um die Unsterblichkeit in China

Die Kultur des antiken Chinas war von jeher durch die Angst vor dem Tod und den Toten selbst geprägt. Um die Geister der Toten nicht zu erzürnen wurde eine ausgeprägte Bestattungskultur entwickelt, welche sich zur Qin-Zeit (221-207 v. Chr.) zu einem sehr ungesunden Unsterblichkeitswahn auswuchs. So war der erste Kaiser Chinas Qin Shi Huangdi auch der, welcher die Alchemisten und Magier in der Oberschicht salonfähig machte. Die Alchemisten behaupteten das Leben verlängern und die Unsterblichkeit lehren zu können.

Mit besonderer Begeisterung wurde in der Han-Zeit (206 v. Chr.-220 n. Chr.) Alchemie betrieben. Ihre Mittelchen waren Quecksilber und seine Verbindungen wie Zinnober, sowie Blei. Begleitet wurde dies oft von der Entsagung von Fleisch und Getreide, Pilze, Blüten, Pinienkerne und Früchte wurden empfohlen. Auch spezielle Atemübungen und Sexualpraktiken sollten helfen den Tod zu besiegen.


Abb.27: Kennzeichnung der Provinzen Hanan und Hubei, China, Fundorte der Feuchtmumien

Kam es vor, dass man trotz aller Anstrengung starb, so musste der Körper haltbar gemacht werden, da je nach Rang des Toten, dieser noch eine gewisse Zeit im Haus verweilte. Die Einsargung erfolgte dabei zwischen drei und sieben Tagen, die tatsächliche Bestattung jedoch konnte, bei hochrangigen Toten, erst Jahre später erfolgen, da ein günstiger Kalendertag angestrebt wurde. Der Verfallsprozess war den Chinesen ein Ekel, schon darum mumifizierten sie die Toten, erst recht war dementsprechend der lange Aufenthalt im Haus ein Grund.

Die Mumifizierung war von extremer Hygiene geprägt. So wurde der Tote gewaschen und bekam eine Maniküre und Pediküre. Danach wurde der Tote in alkoholischer Lösung aus Getreidewein und Aromen aus Kurkuma gebadet. Beide Stoffe haben eine fäulnishemmende Wirkung. Der Leichnam wurde dann in Seide gekleidet mit einem Stück Jade im Mund aufgebahrt. Unter der Aufbahrung befand sich ein Behältnis mit Eis. Vor der Bestattung wurde der präparierte Körper in durchaus 20 Lagen Seide, Hanftextilien und Decken gewickelt, welche den Innensarg fast ausfüllten. Dies erschwerte den Insekten das Durchdringen zum Körper. Außerdem war es während der Han-Zeit üblich, Quecksilber zu sich zu nehmen. Dies behindert den Verwesungsprozess erheblich, da die Gewebeproteasen deaktiviert werden. In den Gräbern wurde auch Räucherwerk entzündet, wie Weinraute, was gegen Staphylokokken wirkt, Magnolia, Zimtrinde oder Teile des orientalischen Amberbaumes. All diese Pflanzen werden noch heute als Räucherwerk zur Insektenabwehr verwendet und haben eine wurmabtötende Wirkung.

Bei der Bestattung wurden mehrere Särge ineinander gestellt, diese waren alle aus Holz und lackiert, sowie anschließend mit Lack versiegelt. Das garantierte für die Zeit, die die Särge nicht verrotteten ein sauerstoffarmes und somit für Bakterien unbekömmliches Milieu. Die extreme Tiefe der Grabkammer(sechs bis 20 Meter) entzog den Sarg Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen. Der Grabschrein wurde auf eine Schicht Kaolin und einem Bett aus Holzkohle gesetzt. Das Grab wurde dann mit Kalk, in Form von Muscheln und Holzkohle aufgefüllt. Die Versiegelung der Gräber wurde durch einige Stampferdeschichten aus tonigem Material verstärkt.

Abb.28: Grab der Lady von Dai

Abb.29: Feuchtleiche der Fürstin von Dai

Die Mumifizierung bestand bis in die Ming-Zeit (1368-1644 n. Chr.), wobei die Gräber da nicht mehr so tief lagen, die Leichname nur noch in bis zu sieben Lagen Leinen gewickelt und die Särge in eine Klebreispaste gebettet waren. Außerdem wurden Sarg, Grabschrein und Grabwände mit einer Wachs-Harzmischung versiegelt.

Trotz der Versiegelung der Särge und der Ausfüllung des Innensarges mit Kleidung blieb etwas Sauerstoff im Sarg. Dieser wurde von den Oxidierungsprozessen der Verwesung schnell verbraucht und anaerobe Bakterien, die das Eiweiß abbauten, schufen sich so ein saures Milieu in dem sie nicht überleben konnten. Die Folge war der Stillstand des Verwesungsprozesses.

In den Särge war bei der Entdeckung der Gräber Flüssigkeit vorgefunden worden. Chinesische Autoren meinen diese sei einige Zeit nach der Bestattung in den Sarg diffundiert. Im Falle der Fürstin von Dai handelte es sich um eine saure Lösung mit dem pH-Wert 5,18. Bei einer anderen Feuchtmumie der Han-Zeit war die Flüssigkeit alkalisch mit einem pH-Wert von 8,4. Die Herkunft der Sargflüssigkeit mag umstritten sein, aber letztendlich trug sie zu dem guten Erhalt der Mumien bei.


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