Die Mumifizierung in Südamerika

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Die Chinchorro waren eine der frühesten Hochkulturen Amerikas. Doch auch die folgenden Indianerstämme vollbrachten große Leistungen die, wie die Chinchorrokindermumien, bis Heute erhalten blieben.

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Chinchorro - Die tiefe Trauer der Mütter

Das Volk der Chinchorro lebte vor über 7000 Jahren im Gebiet des heutigen Nordchile. Somit praktizierten sie bereits 3000 Jahre vor den Ägyptern und auf einem anderen Kontinent die Kunst der Konservierung.


Abb.1: Kennzeichnung Nordchile, Siedlungsgebiet der Chinchorro

Die tiefe Trauer der Chinchorromütter könnte die Idee geboren haben, ihre Kinder durch dieses Ritual zu konservieren. 5000 v. Chr. unterzog man die toten Kinder bereits einer sehr komplexen Mumifizeirung. An den Mumien wurde wochenlang gearbeitet. Der Kinderleiche wurde zuerst die Haut mit größter Vorsicht abgezogen und diese zusammengerollt. Dann entfernte man das Fleisch von den Knochen und band mit Stöckchen das Skelett wieder zusammen, polsterte den Körper mit Schilfrohr aus und trug eine dicke, aschefarbene Paste auf, in die man die Gesichtszüge und Körperkonturen formte. Über diese Gestalt wurde die Haut gestreift. Der Kopf erhielt eine Art Perücke. Auf die Haut kam eine blau-schwarz schimmernde, aus Manganblende hergestellte Farbe, die nur an einer bestimmten Stelle am Arica-Strand gefunden wurde. Um diese halbmetallischen Pigmente herzustellen, musste viele Stunden lang der Sand durchsiebt werden. Bindemittel für die Farbe war Wasser und sie wurde mit Graspinseln aufgetragen. Die präparierten Körper wurden dann nackt in Gruppengräbern von bis zu sechs Personen bestattet.
Im dritten Jahrtausend v. Chr. war die Mumifizierung nicht mehr so aufwendig. Außerdem wurde nur noch das Gesicht mit der schwarzen Farbe bemalt, der Rest des Körpers wurde rot gefärbt. In einigen Fällen wurden die Kinder in Hautstreifen gewickelt.
Wissenschaftler fanden heraus, dass die Farbe in mehreren Schichten aufgetragen wurde. Daraus schließen sie, dass die Toten einige Zeit ausgestellt wurden und somit Teil eines ahnenkultähnlichen Ritus waren.
2000 v. Chr. wurden zwar die inneren Organe noch entfernt, danach fand jedoch nur noch eine Trocknung über dem Feuer statt. Im Grab wurden die Toten dann mit einer Lehmschicht überzogen und fixiert.
Später wurden die Leichname nur noch sorgfältig getrocknet und in Matten bestattet.


Abb.2: Chinchorromumien im Museum der Universität Tarapaca in Arica, Chile

Das Ritual hat den Chinchorro wohl über den Schmerz ihres toten Kindes hinweggeholfen, denn sie praktizierten es mehr als 3000 Jahre. Im Laufe der Jahrhunderte stand dieses heilige Ritual allen Personen der Gemeinschaft zu, unabhängig von Alter oder Stellung. Mund und Augen der Toten waren geöffnet, denn für die Chinchorro waren sie nicht tot, sondern nur ihr Seinszustand hatte sich geändert.

Um 1100 v. Chr. sind die Chinchorro verschwunden, allerdings ließen sie die Kinder-Mumien zurück, die dann der Sand der Wüste zudeckte.

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