Die Mumifizierung in Südamerika

Die Inka und ihre stummen Ratgeber

Etwa 1000 n. Chr. tauchten die ersten Inka auf und errichteten ihre Hauptstadt Cusco im Hochgebirge des heutigen Peru. Das Reich existierte ca. 90 Jahre und dehnte sich für diesen sehr kurzen Zeitraum rasant aus. Den Höhepunkt in Ausdehnung und Macht des Reiches, hatten die Inka 1522 erreicht.

1532 stießen die Spanier nach Peru vor und fanden dort ein im Krieg befindliches Volk. Dieser Fakt wurde von den Spaniern zu ihrem Vorteil genutzt. Sie eroberten Cusco und töteten den letzten Inkakönig Atahualpa. Auf ihrer Plünderungstour durch die Paläste entdeckten sie die Grabpaläste der verstorbenen Inkaherrscher und deren mumifizierte Körper.

Auf Grund der Unauffindbarkeit der Mumien können Informationen über deren Zustand und Mumifizierungstechnik nur aus den Überlieferungen der Spanier entnommen werden. So berichtet beispielsweise Polo de Ondegardo 1571: "Allgemein glaubte man, dass die Seelen nach diesem Leben weiter lebte, … Und so verwendeten sie außerordentliche Sorgfalt darauf, die Körper nach dem Tode zu erhalten, zu versorgen und zu ehren." Garcilaso de la Vega berichtet 1619: "Der Körper des Toten [Inkakönigs] wurde einbalsamiert, aber man weiß nicht, wodurch sie so heil blieben, dass sie wie lebendig aussahen, … Ihre sämtlichen Eingeweide begruben sie in dem Tempel, … am Rio Yukay." Andere Quellen schreiben: "Leichenschmaus und Bestattung des König feierte man auf gleiche Weise, … nach seinem Tod übernahm die Verwandtschaft die Zuständigkeit und sie entnahmen vor allem die inneren Organe …" "Sie balsamierten den toten Körper … dies taten sie so feinfühlig und hervorragend …" In seiner Geschichte der Pflanzen, Teil seines Werkes über die neue Welt schreibt Bernabe Cobo über den Molebaum dessen Harz zur Einbalsamierung genutzt wurde. Offenbar wurden zur Erhaltung der Gesichtskonturen Kürbisschalen unter die Wangen geschoben. Während des Trocknens spannte sich die Haut darüber und zusätzlich setzte man künstliche Augen ein.

Die außerordentlich gute Erhaltung verblüffte die Spanier, so wird berichtet: "… dass [die Mumie] schien als sei er am Leben. Die Augen waren mit einem feinen Goldgewebe ausgelegt; so gut gemacht, dass ihm die natürlichen Augen nicht fehlten … Das Haar war grau und es fehlte kein einziges, als sei er am selben Tag gestorben …" Pedro Sancho de la Hoz schreibt: "es fehlt nur die Nasenspitze." "Er schien nicht tot zu sein" berichtet Cobo über eine andere Mumie.

Die Mumien waren in das Leben der Inkabevölkerung integriert, als wären sie lebendig. Sie hatten einen eigenen Hofstaat, bekamen Speise und Trank und wurden regelmäßig neu eingekleidet. Sie wurden, so das Wetter es zuließ, draußen an ein wärmendes Feuer gesetzt und das Volk durfte Opfergaben erbringen. Wie Gottheiten wurden sie behandelt. Die Herrscher wurden regelmäßig über die Straßen und Felder getragen und sogar mit in den Krieg genommen, da dies für ein erfolgreiches Bestehen des Reiches sorgte. Die Mumien der Inkaherrscher wurden auch um Rat befragt, vor jeder wichtigen Entscheidung ging der aktuelle Inkaherrscher zu seinen verstorbenen Ahnen, diese um Rat zu ersuchen. Auch das Volk konnte vorgelassen werden um Rat zu erbitten.

Nach der Eroberung durch die Spanier, versuchten die Inka ihre mumifizierten Herrscher in Sicherheit zu bringen, schafften sie aus den Palästen und brachten sie zu den jeweiligen Familienclans. Doch die Spanier spürten sie auf und brachten sie 1560 nach Lima in das Hospital de San Andreas. Dort stand man schließlich vor einem Dilemma: Man konnte sie nicht auf einem Friedhof beisetzten, da sie Heiden waren, doch einfach verscharren wollte man sie auch nicht. Jedoch verliert sich ihre Spur in diesem Hospital und die Mumien sind bis heute unauffindbar.


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