Die Mumifizierung in Asien

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Der buddhistische Glaubensweg darf auf keinen Fall mit dem Christentum verglichen werden. Im Christentum findet Selbstbestrafung, wie Geißelung, zur Befreiung von Sünden statt. Die buddhistischen Priester verletzen ihren Körper jedoch, um ihren Geist zu trainieren die physische Welt zu ignorieren.

Auch im tibetischen Himalaya, welches vor der Übernahme durch China ein spirituelles Zentrum darstellte, wurde eine ähnliche Art der Selbstmumifizierung verfolgt.


Abb.32: Der seit 80 Jahren tote Hambo Lama in einem russ. Kloster

Sarira/ Ringsel: Sarira (Sanskrit) oder auch Ringsel (tibetisch) sind kleine Perlen und Kristalle die als Reliquien verehrt werden. Sie werden in der Asche verbrannter buddhistischer Meister gefunden und somit werden ihnen besondere Kräfte zugesprochen. Ihre tatsächliche Herkunft ist unbekannt. Man vermutet jedoch, dass es sich möglicherweise um, bei der Verbrennung, kristallisierte Knochen handelt oder Nieren-, Gallen- oder Harnsteine. Eine weitere Ursache können beigefügte und bei der Verbrennung eingeschmolzene Grabbeigaben sein. Die Worte Sarira oder Ringsel bezeichnen jedoch nicht nur diese Reliquien, sondern auch kremierte Überreste, Asche und Mumien verstorbener Geistlicher.

Beten zu Buddha - in Japan - kann anders sein

Sokushinbutsu ist eine Mumifizierungsmethode, welche von buddhistischen Mönchen in Japan, vorwiegend in der Präfektur Yamagata, praktiziert wurde. Dieses Verfahren ist sehr speziell, da es im Gegensatz zu den meisten anderen Präparationsmethoden nicht nach dem Tode vollzogen wird. Es handelt sich dabei um eine Selbsttötung, welche im allgemeinen Sprachgebrauch auch Selbstmumifizierung genannt wird.

Vor über 1000 Jahren gründete ein Priester namens Kuukai (verstarb 835) die buddhistische Schule des Shinggon-shu. Diese Priester hatten die Idee durch körperliche Bestrafung zur Erleuchtung zu gelangen in dem sie sich, über einen langen Leidensweg, schließlich selbst töteten. Ihr Ziel war es ins Nirwana zu kommen und Teil des Buddha zu werden. Im 19. Jahrhundert wurde die Selbstmumifizierung verboten und 1903 starb der letzte bekannte Priester in Ausübung dieses Rituals.

Abb.30: Tetsuryou-kai (1815-1877) - Nangakuji Tempel in Tsuruoka, Präfektur Yamagata

Kuukais Lehre nach, zieht sich das Ritual über genau 3000 Tage und wird dabei in drei Stufen von jeweils 1000 Tagen eingeteilt.

  1. Innerhalb der ersten tausend Tage unterzieht sich der Priester einer starken Diät. Diese besteht ausschließlich aus Samen und Nüssen der Umgebung. Außerdem bewältigt der Priester schwere körperliche Anstrengungen. All das hat eine extreme Abnahme zur Folge und somit eine mangelnde Nahrungsgrundlage für Insekten und Bakterien nach dem Tod.


  2. In den folgenden tausend Tagen beschränkte sich die Nahrungsaufnahme auf kleine Mengen an Rinde und Wurzeln von Nadelbäumen. Gegen Ende dieser Periode beginnt der Priester den giftigen Tee des Urushi-Baumes zu trinken. Der Tee verursacht Erbrechen, verstärktes Urinieren und verstärkte Transpiration. Der zweite Schritt war demnach dem Wasserentzug gewidmet. Außerdem sollte der Tee den Körper so giftig machen, so dass sich die Maden nicht von ihm ernähren würden.


  3. Für die letzte tausendtägige Periode wurde der Priester in eine Steingruft geschlossen, welche gerade groß genug war um darin im Lotussitz zu verharren. Die einzige Verbindung zur Außenwelt war ein Luftloch mit einer Glocke. Jeden Tag läutete der Priester die Glocke um damit mitzuteilen, dass er noch am Leben war. Läutete die Glocke nicht mehr, wurde das Luftloch verschlossen. Nach Ablauf der tausend Tage öffneten die anderen Priester des Tempels die Gruft und schauten nach, ob die Einbalsamierung erfolgreich war.


Abb.31: Shinnyo-kai (†1783) - Dainichibou Tempel am Berg Yudono, Präfektur Kamagata

Die Mumien der Priester wurden nach der Zeremonie in Tempel gebracht und dort in Lotussitz gebunden durch Luftzug, Hitze oder Rauch fertig getrocknet. Anschließend hat man sie in eine Mönchsrobe eingekleidet und als Buddhas verehrt, da man annahm, der Priester habe ins Nirwana gefunden. Trotz der immer gleichen Zeremonie sind einige Priester dennoch verwest. Diese wurden nicht als Buddha angesehen, aber dennoch für ihre Hingabe verehrt. Warum einige der Priester tatsächlich erhalten blieben und andere trotz des Rituals verwesten, ist weitgehend ungeklärt. Man vermutet jedoch, der Grund liegt in einer geheimen Quelle nahe Yamagata, welche Untersuchungen nach, eine hohe Arsenverunreinigung aufweist. Arsen wird im Körper nicht abgebaut sondern gespeichert, es bleibt also nach dem Tod erhalten und hat eine stark toxische Wirkung auf Mikroorganismen.

Heute weisen die Mumien starke Fraßspuren von Insekten und Ratten auf und viele Körperteile sind bereits zerstört. Dennoch überdauerten die Mönche die Zeit und werden bis heute für ihre Willenskraft verehrt und als Buddha angebetet. Ob die Priester tatsächlich den Weg ins Nirwana gefunden haben werden wir nie erfahren.

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