Die Mumifizierung in Europa

Die Gruft unter dem Kapuzinerkloster Palermos

Wie so oft ist es einem Zufall zu verdanken, dass die Mönche des ersten Kapuzinerklosters von Sizilien, in Palermo, die konservierenden Eigenschaften der Gruft entdeckten. Diese wurde ursprünglich eigens für die Leichname der verstorbenen Glaubensbrüder erbaut und musste 1599, 65 Jahre nach der Gründung des Klosters, aus Platzmangel erweitert werden. Bei der Umbettung der Leichname entdeckten sie den außerordentlichen Zustand ebenjener.

Bis 1670 wurden nur die Mönche in der Gruft bestattet, doch der Druck von Außen wuchs und so wurde diese Begräbnismöglichkeit auch anderen zuteil.

Die Mumifizierungsmethode: Die Mönche entwickelten eine besondere Methode zum noch besserem Erhalt der Leichname.

  1. Es wurden Gewölbe und Austrocknungskammern (Colatoi) in vulkanischen Tuffstein gehauen bzw. teilweise mit Tuffquadern ausgemauert.
  2. Verstorbene kamen dann zu mehreren in Colatoi auf Terrakottaröhren über steinerne Wannen.
    • Die Trocknung geschah hier unter völligem Luftabschluss.
    • Der Tuff saugte die Leichenflüssigkeit auf - die Leichname waren binnen acht bis zehn Monaten völlig ausgedörrt
  3. Man wusch sie mit Essig und ließ sie noch circa zwei Wochen in der Sonne trocknen.
  4. Die Mönche kleideten sie dann in ihre Amtstracht, Uniformen oder Festtagskleider ein.
  5. Schließlich wurden die Körper an ihren Platz in den Korridoren gestellt.
    • Dort wurden sie auch besucht
    • und sogar von Zeit zu Zeit neu eingekleidet.



Abb.15: Katakomben des Kapuzinerklosters von Palermo auf Sizilien

Auch eine Behandlung mit Kalk oder Kalkmilch sowie mit Arsenik wurde an einigen Mumien vorgenommen. Diese Mumien sind besonders gut erhalten.

1837 wurde diese Art der Bestattung von der Regierung verboten, doch noch bis 1881 wurden Leichname in der Gruft beigesetzt. Diese jedoch in Särgen.

Die Gruft ist noch heute mit ihren ca. 1200 Mumien zu besichtigen, doch viele Mumien wurden im Laufe der Zeit schwer beschädigt.


Abb.16: Aus dem Korridor der Frauen, Kapuzienerkloster von Palermo

Der Aufbau der Gruft: Insgesamt ist die Gruft aus fünf Korridoren aufgebaut,
  • Korridor der Männer
  • Korridor der Frauen
  • Korridor der "Professionisti" (Ärzte, Rechtsanwälte, Lehrer, Künstler, Politiker sowie Offiziere des Heeres)
  • Korridor der Priester
  • Korridor der Mönche

Außerdem existieren jeweils eine Nische für Jungfrauen und Kinder, sowie die Kapelle der heiligen Rosalia, die auf einer anderen Seite meiner Homepage extra geehrt wurde. Ein weiterer Raum ist eine der geöffneten Colatoi, in dieser befinden sich bis heute zwei getrocknete Leichname, ohne dass diese bisher bestattet worden sind.


Abb.17: Colatoi


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