Die Mumifizierung in Europa

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In der Forschung zum Transhumanismus betrachtet man den natürlichen Alterungsprozess als eine zu bekämpfende Krankheit, man ist von der technischen Steuerbarkeit der Evolution überzeugt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sie den Alterungsprozess zumindest verlangsamen können.

Dafür wurden drei Phasen entwickelt. Die Erste ist die therapeutische Phase, welche die Lebenserwartung auf 100-120 Jahre steigert. Die Zweite ist die Präventivphase, die Unterdrückung von Krankheit, welche eine Lebenserwartung von 150 Jahren nach sich zieht. In der dritten und letzten Phase, der Designerphase, wird der Körper gezielt verbessert. Sie soll das Leben auf bis zu 500 Jahre verlängern.

Die verwendeten Technologien liegen im Bereich der Nano-, Gen-, Informations- und Biotechnologie sowie auch der Biogerontologie.

Außerdem beschäftigt man sich mit der Möglichkeit des Mind-Uploading. Dabei soll das gesamte Bewusstsein eines Menschen auf ein Speichermedium geladen werden. So kann die Individualität eines Menschen für die Ewigkeit festgehalten werden, ohne an einen anfälligen Körper gebunden zu sein.

Kryonik - Der letzte Schrei

Der Wunsch seinen Körper zu erhalten und sich so ein ewiges Leben zu verschaffen ist in der gesamten Menschheitsgeschichte sehr verbreitet. Die Wissenschaftler haben inzwischen jedoch ein weit höheres Ziel im Sinn, eine reale Lebensverlängerung. Erreichen wollen sie dies mit Kryonik. Kryonik kommt vom griechischen Wort kryos und bedeutet "kalt". Gemeint ist mit Kryonik das Einfrieren von Organismen oder einzelnen Körperteilen (meist der Kopf). Das Ziel ist es, in der Zukunft mit neuer, besserer Technologie wieder belebt zu werden.

Zurzeit ist das Einfrieren mit Folgeschäden verbunden, die mit heutiger Technik nicht zu reparieren sind. Die Ursache dafür liegt in der Tatsache, dass die Körper/Körperteile in flüssigem Stickstoff gefroren werden. Dieser hat eine Temperatur v von -196°C. Das Limit, bei dem Gewebe bricht, liegt jedoch bei -150°C und die sich beim Einfrieren bildenden Eiskristalle zerstören das Gewebe. Der Stickstoff ist also zu kalt und dadurch wird das Gewebe zerstört. Abhilfe soll dabei ein Kryoprotektor schaffen, dabei handelt es sich um Glyzerin. Dieser soll die Zerstörung der Zellen verhindern. Dieses Verfahren wird bereits erfolgreich angewendet bei der Kryonisierung von Sperma oder Embryonen im Zwei- Achtzellstadium. Jedoch handelt es sich bei dem menschlichen Körper um einen komplexen Organismus und nicht um Einzeller, weshalb es noch erhebliche Probleme gibt.

Also entwickelten Wissenschaftler die Vitrifikation. Ein Verfahren, welches die Eiskristallbildung verhindern soll. Eine höhere Molarität des Kryoprotektors und eine besonders hohe Gefriergeschwindigkeit sollen bewirken, dass das im Wasser enthaltene Gewebe vitrifiziert wird. Das bedeutet es wird lediglich in seiner Viskosität erhöht und bildet so keine Eiskristalle. Diese Technik hat jedoch einen gravierenden Nachteil, das Gewebe wird von dem Kryoprotektor Glycerin so toxisch belastet, dass die Lebenserwartung drastisch sinkt.

Der größte Anbieter der USA Alcor Org. wurde 1972 in Arizona gegründet und geht bei einer Kryonisierung wie folgt vor. Nach dem Herzstillstand des Verstorbenen wird dieser in ein Eisbad gelegt und Atmung und Blukreislauf werden maschinell wiederhergestellt und aufrecht erhalten. Verschiedene Mittel wie Freie-Radikale-Inhibitor, Antikoagulantien, pH-Puffer für die Aufrechterhaltung des Blutdrucks und Narkosemittel zur Senkung des Sauerstoffbedarfs werden intravenös verabreicht. Dann wird das Blut durch eine Kreislaufmaschine mit einer Perfusionslösung (Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt) ausgetauscht. Ist das Blut vollständig ersetzt, folgt der Kryoprotektor. Die Zugabe erfolgt bis die Chemikalien des Protektors zu 60% vorhanden sind. Anschließend wird der Körper so schnell wie möglich auf -125°C herunter gekühlt, dies dauert ungefähr drei Stunden und über einen weiteren Zeitraum von zwei Wochen langsam auf -196°C. So kann der Körper dauerhaft in flüssigem Stickstoff verweilen.

Methodische Hürden dieses Verfahrens sind jedoch der Zeitraum zwischen Tod und den funktionserhaltenden Maßnahmen. Bereits nach 10 Minuten ohne Blutversorgung des Gehirns zeigen sich deutliche Schäden. Außerdem werden dem Körper durch den toxischen Kryoprotektor selbst Schäden bei gefügt.


Abb.20: Kryonik-Behälter von Alcor Life Extension Foundation

In Deutschland ist die kryostatische Aufbewahrung nach dem Bestattungsgesetz verboten. Man kann sich jedoch nach dem Tode einfrieren lassen, um dann zur tatsächlichen Kryostase nach Amerika überführt zu werden.


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