Die Mumifizierung in Australien und Ozeanien

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Im Allgemeinen bezeichnet die Kopfjagd das gezielte Töten von Menschen, um deren Schädel als Siegestrophäe zu erbeuten.

Diese Handlung steht oft im Zusammenhang mit der Mumifizierung des Kopfes in form eines Schrumpfkopf.

Nur sehr selten steht die Kopfjagd im Zusammenhang mit Kannibalismus.

Die Herstellung eines Schrumpfkopfes ist in dieser Homepage am Beispiel der Shuar erklärt. Einem südamerikanischen Indianerstamm der dieser Tätigkeit bis heute nach geht.

Australien:

Auch von den Aborigines in Australien wurden sorgfältig mumifizierte Leichen gefunden. Die Mumienherstellung war hier geographisch stark begrenzt. So wurde nur von den Stämmen in Nord-Queensland, auf der Cape York Halbinsel und auf den Torres-Strait-Inseln die Mumifizierung praktiziert. Heute ist wenig bekannt über das Verfahren, da die Mumifizierung bei den Aborigines schon zur Zeit der Eroberung weitgehend unbekannt war. Das Verfahren selbst konnte man nie beobachten und Mumien wurden nur selten oder nie gefunden. Einige Einwanderer konnten sie zur persönlichen Freude von den Aborigines eintauschen, die Erkenntnisse die aus dieser Zeit hervorgingen, sind die einzigen die existieren . Es handelte sich bei der Mumifizierung um ein langwieriges und kompliziertes Verfahren. Die Leiche wurde langsam im Rauch gedörrt und danach wurde der Körper in einer Hockstellung zusammen geschnürt. Diese Mumienbündel wurden dann noch einige Zeit mit der Gruppe herumgetragen. Die damalige Regierung empfand die Mumifizierung im höchsten Maße unästhetisch, unhygienisch und pietätlos, dementsprechend also als potentiell unrein und gefährlich. Die Folge war der Versuch der Behörden die Mumifizierungspraktik zu unterbinden.


Abb.33: Stammeshäuptling der Aborigines von Vorn und der Seite

Ozeanien


Abb.34: Kennzeichnung Papua-Neuguinea polynesischer Raum Mikronesien Melanesien Neuseeland

Neuseeland:

Die Maori auf Neuseeland waren bestrebt sich die Eigenschaften ihrer besiegten Feinde anzueignen. Dieser Wunsch führte dazu, die Schädel zu sammeln und zu bewahren, auch als Beweis für ihr eigenes Können. Oft kam es vor, dass Teile des Feindes sogar verspeist wurden um sich so, seine Kräfte zu übertragen. Kannibalismus war hier sehr verbreitet und wurde noch bis in das 19. Jahrhundert verfolgt.
Auch die Köpfe ihrer Häuptlinge wurden auf diese Weise erhalten. Der Würde und dem Ansehen des Häuptlings entsprach es, eine reich verzierte Gesichtstätowierung zu tragen. Um diese zu bewahren wurden fäulnishemmende Kräuter anstelle des Gehirns und der Augen in den Schädel gefüllt. Dies förderte die Austrocknung. Zudem wurden die Köpfe über Ofenöffnungen gestülpt, um sie mindestens 24 Stunden von Innen zu trocknen.
Die europäischen Eroberer fanden großes Interesse an den Schrumpfköpfen und tauschten sie bei den Maori ein. Als der "Vorrat" erschöpft war, verwendeten die Europäer Sklavenköpfe und gingen später direkt auf Maorikopfjagd. Diese Ausuferung begann 1770 mit dem ersten Exemplar als Mitbringsel, bis 1812 der Handel mit Maoriköpfen verboten wurde.


Abb.35: Lithographie des tätowierten Kopfes eines Maori Häuptlings

Mikronesien und Melanesien:

Trotz der in Vergessenheit geratenen Kultur können Rückschlüsse auf die Bestattungsrituale von Mikronesien und Melanesien gezogen werden. Es waren die Mumifizierung sowie der Schrumpfkopf (ähnlich wie auch in Neuseeland) bekannt.

Die Mumifizierung konnte an einem Mann nachgewiesen werden, welcher sich auf einer Art Sprossenwand befand. Er war im aufgehängten Zustand getrocknet worden. In seiner Bauchhöhle fanden sich antibakterielle Kräuter und erdiges Granulat. Weiterhin wies der Körper Punktierungen und Einschnitte in Haut und Gelenken auf, um die Zersetzungsflüssigkeiten abfließen zu lassen. Der ganze Körper wurde mit rotem Ocker bestrichen und seine Gesichtszüge wurden mit Muschel und Harz (Augen) nachmodelliert.

Papua-Neuguinea:

Auf Papua-Neuguinea kennt man ebenfalls die rituelle Mumifizierung. Hier dient als Beispiel der Kukukuku/Angu-Stamm, welcher seine Toten starkem Rauch aussetzte, um so die Bakterien und Pilze zu töten. Die besonders bedeutenden Stammesmitglieder wurden auf diese Weise monatelang behandelt. Noch heute überblicken einige von ihnen als Schutzgeister ihr ehemaliges Reich. Der Buangstamm dagegen vergrub seine Toten zusammengeschnürt und in Leinen gewickelt, mit Gras und Erde abgedeckt, in einem Erdloch. Nach einigen Monaten wurde der Leichnam exhumiert und in neuem Leinen mit frischem Gras, zu weiteren Trocknung, an einem Felsvorsprung in den Wind gehängt. Das Volk der Moni wiederum mumifizierte seine Toten sechs Monate lang über dem Feuer, restliche Körpersäfte wurden mit trockenem Moos abgesaugt. Schließlich wurde der Tote auf einer Plattform im Freien aufgebahrt und einige Zeit später dann in einem ausgehöhlten Baumstamm vertikal positioniert.

Abb.36: Die Schädel der Feinde dieser Inseln wurden mit einer Paste übermodelliert und in Ritualen als Masken getragen.

Polynesischer Raum:

Schon mehr ein Ritual als eine Mumifizierung wurde auf einer Insel namens Magaia im polynesischen Raum betrieben. Hier wurden die Toten mit Öl einbalsamiert und in Leinen gewickelt, anschließend legte man sie in Höhlen. Danach wickelte man sie wieder aus und ließ sie in der Sonne trocknen. Der Tote wurde schließlich aufgebahrt und es fand eine rituelle Verbrennung aller Gegenstände statt, die zum Zeitpunkt des Todes mit dem Verstorbenen in Berührung waren. Eine richtige Einbalsamierung war den Reichen vorbehalten. Ihnen wurde die Bauchhöhle geleert, das Gehirn durch die Nase entfernt und sie wurden in Sandelöl getränkt. Ebenfalls in Sandelöl getränkt waren die Leinenbündel, die die Bauchhöhle ausfüllten. Bevor der Körper mehrere Wochen der Sonne ausgesetzt wurde, entfernte man durch kleine Öffnungen die Muskeln. Nach der Trocknung wurde die Mumie bis zu einem Jahr lang versorgt und wie ein Lebender behandelt, denn erst nachdem die aufwendige Beisetzung organisiert war, konnte der Verstorbene in seinem endgültigen Grab beigesetzt werden.


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