Die Mumifizierung in Südamerika

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Die Mumien der Paracas wiesen nicht nur die besondere Schädelform auf, sondern rund die Hälfte hatte auch chirurgisch beigefügte Löcher im Schädel. Diese Schädelöffnungen nennen sich Trepanation. Die Löcher wurden wahlweise Ausgeschabt, durch eine ringförmige Mulde ausgehebelt oder direkt in den Schädel geschnitten. An den Rändern der Löcher fand sich bei über 50% der gefundenen Mumien neu gebildeter Knochen, sie haben den Eingriff also auch überlebt.


Abb.6: Trepanation

In Europa fand diese chirurgische Methode ihren Anfang bereits in der Jungsteinzeit. Die ältesten bisher gefundenen Zeugnisse dieser medizinischen Behandlung stammen aus der Region Südbaden/ Elsass und sind zwischen 7000 und 8000 Jahre alt. Damals begann diese Tradition vermutlich auf Grund des Wissens, dass sich große Platzwunden entzünden und dass Knochensplitter in das Hirn eindringen konnten. Demnach schabte man die äußere brandige Knochenschicht ab. Dafür wurden frisch geschliffene Feuersteine verwendet, welche dadurch (wohl mehr durch Zufall) sterile Umstände schufen. Die Folge war, dass die wenigsten Trepanationen tödlich verliefen.

Auch in Ägypten, dem antiken Griechenland und dem römischen Reich war diese Praktik üblich um Kopfschmerzen und Schädeltraumata zu behandeln. Hier wurden jedoch vornehmlich Bohrer verwendet.

Seit dem 19. Jahrhundert wurde vor dieser Methode jedoch ausdrücklich gewarnt, da sie für zu riskant erachtet wurde.

Auch heute wird diese Methode noch in der modernen Medizin verwendet. Bei schweren Kopfverletzungen wird auf diese Weise der durch die Anschwellung des Gehirns verursachte Druck entlastet.

Die Pracas-Kultur

Diese Kultur siedelte ca. 900-200 v. Chr. auf der gleichnamigen Halbinsel im Süden Perus. Heute ist die Insel verlassen, doch zur damaligen Zeit war sie dicht bevölkert.

Abb.3: Kennzeichnung Paracashalbinsel, Peru

Die Paracas-Kultur wird in zwei Stilrichtungen unterschieden: Paracas-Cavernas, die ältere der beiden, ist aus der Zeit bis 400 v. Chr. und Paracas-Necropolis. Die Cavernas erhielten ihren Namen auf Grund ihrer schachtartigen Gräber. Die Necropolis jedoch heißt übersetzt Totenstadt, da sie aus unterirdischen Höfen und Gängen besteht, mit daran aufgereihten Grabkammern. Diese große unterirdische Begräbnisstätte aus Ziegeln enthielt über 400 Mumienbündel, welche sorgfältig präpariert waren.

Die Mumienbündel hatten zum Teil einen Umfang von über einem Meter, da diese mit zahlreichen Stoffen und Beigaben ausgestattet waren. Unter der dicken Stoffschicht befanden sich die gehockten und zusammengeschnürten Körper. Man vermutet, dass den Höhergestellten neben dem Einbalsamieren mit Harzen auch die Organe, Muskeln und das Gehirn entnommen wurden. Anschließend wurden sie am Feuer getrocknet. Wie alle Andenvölker wurden auch sie in Embryonalhaltung bestattet.
Abb.4: Paracasmumie

Charakteristisch für die Mumien sind, außer den sehr großen und aufwendig gestalteten Baumwollstoffen, die stark deformierten Schädel, die gezielt durch das Anbinden von Brettern an Vorder-und Hinterkopf bei Neugeborenen hervorgerufen wurden. Dies war eine Modeerscheinung bei vielen Mittel-und Südamerikanischen Völkern.

Abb.5: Deformierte Schädel

Die Wissenschaftler fanden überdies heraus, dass die Paracas fließend in die Nasca-Kultur übergingen und diese nicht wie vorher vermutet von außen in das Gebiet der Nasca eindrangen.


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