Die Mumifizierung in Europa

Körperwelten - Ihre Plastination

Als Gunter Hagens 1977 dieses Verfahren entwickelte war es ursprünglich noch eine Weiterentwicklung der Formalinfixierung von Anatomieleichen. Das lebensechte Aussehen und die Möglichkeit sie in bestimmten Posen zu fixieren veranlasste jedoch dazu sie öffentlich auszustellen. Dabei wurden unzählige Debatten zu Ethik und Moral losgetreten, die Anziehungskraft der Exponate scheint dennoch größer, denn nach eigenen Angaben wurden die Ausstellungen seit 1996 in aller Welt bereits von über 20 Millionen Menschen besucht (stand 2007). Dabei kann ein lehrreicher Einblick in die Anatomie des Körpers kein Ansporn für die Schaulustigen gewesen sein, da der Großteil der Exponate aus künstlerischer Sicht zu betrachten ist und durch extravagante, wie auch schockierende Posen besticht.

Die Plastination selbst folgt dem einfachen, schon im alten Ägypten angewandten, Prinzip der Fett und Wassereliminierung. Erreicht wird dies durch die Suspension in einem Acetonbad, dabei werden diese Bestandteile durch Aceton ausgetauscht. Anschließend folgt ein Kunststoffbad in einer Vakuumkammer bei dem der Körper erhitzt wird. Somit entweicht das Aceton aus dem Körper und der entstandene Unterdruck saugt den Kunststoff ins Gewebe. Dieser Vorgang wird als forcierte Imprägnierung bezeichnet. Schließlich kann der Körper in die gewünschte Position gebracht werden und wird bei ganzen Körpern bevorzugt mit Gas ausgehärtet (auch mit Licht oder Wärme möglich).


Abb.21: "Titanik Paar" der Körperweltenausstellung Heidelberg

Die Wahl des Kunststoffes ist abhängig vom Verwendungszweck durch die unterschiedliche Lichtbrechung. So lässt Epoxidharz die Gewebefarben am besten erscheinen, bei Ausstellungsstücken wird Silikonkautschuk bevorzugt, da die Farben sehr lebensecht erscheinen.

Die Haltbarkeit der Exponate ist nach so kurzer Zeit noch nicht festlegbar. Bei UV-Bestrahlung, Temperaturschwankungen oder anderen Umwelteinflüssen könnte das Plastinat spröde werden oder ausbleichen.


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