Die Mumifizierung in Asien

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Das Haupterkennungsmerkmal der Skythenkulturen für die Archäologen, sind die einzigartigen Tierdarstellungen auf Schmuck, Kleidung, als Tatowierung oder auf Waffen.

Dabei handelt es sich um sogenannte zoomorphe Junktur, Tiermotive(oft Huftiere und Raubkatzen) welche übertrieben bewegt wirken und in andere Tiere überlaufen. Beispielsweise ein Hirsch dessen Geweih zu Vogelköpfen und dessen Schwanz eingerollt zu einer Schlange wird. Diese Motive sind Ausdruck der teriomorphen (tiergestaltigen) Weltsicht der Skythen.


Abb.26: Tatowierung einer Mumie im Tierstil, aus den Fürstengräbern von Pazyryk

Sowohl von Herodot als auch von archäologischen Funden sind sogenannte Hanfrauchzelte nachgewiesen. Der Gebrauch von Haschisch und härteren Drogen ist uns von den Skythen also bekannt, wie auch die phantastischen, ständig wechselnden und ineinander verlaufenden Bilder die durch Drogenkonsum ausgelöst werden.

Das phantastische, teriomorphe Weltbild könnte demnach aus dem Drogenkonsum der ersten Skythenstämme entstanden sein.

Die Skythen im eurasischen Steppengürtel

Der Begriff Skythen wurde von den Griechen, besonders Herodot, geprägt, welche die europäischen Stämme pauschal in Germanen, Kelten und Skythen einteilten. Das diesbezüglich benannte Gebiet Skythien, verläuft nördlich des Schwarzen Meeres von der unteren Donau im Westen, bis zum Don im Osten. Heute begreifen die Archäologen alle Völker, mit dieser oder ähnlicher Ethnologie, der eurasischen Platte bzw. dem eurasischen Steppengürtel als Skythen. Der Begriff ist demnach eher als chronologische und kulturelle Bezeichnung zu verstehen.


Abb. 36: Die "Große Seidenstraße" vor rund 1000 Jahren und die Umliegenden Scythenvölker im Überblick

Die Skythen waren Nomadenvölker, welche sich im Laufe des letzten Jahrtausends v. Chr. über den gesamten eurasischen Kontinent ausbreiteten. Es handelte sich um zahlreiche Stämme, die sich miteinander oder auseinander entwickelten. Die ältesten Zeugnisse skythischer Kultur finden sich aus dem ausgehenden 9. Jahrhundert v. Chr. in Tuva, an den Quellen des Jenissei. Daher geht man davon aus, dass die skythische Kultur im Gebiet von Tuva ihren Anfang nahm. Aus dem Osten der eurasischen Steppe verbreiteten sie sich im 7. Jahrhundert v. Chr. nach Westen bis in den Nordschwarzmeerraum aus. Dabei blieben sie jedoch immer an die eurasischen Steppen gebunden. Im 3. Jahrhundert v. Chr. erreichten sie den Süden der Slowakei, ab da ist man sich unsicher, wie weit sie noch in den Westen Europas eindrangen. Schließlich wurden sie im 2. Jahrhundert v. Chr. von anderen Kulturen überlagert und verloren ihre Bedeutung.


Abb.24: Kurganplan der Pazyryk-Kultur im Altaigebirge
Der Totenkult dieser skythischen Kulturen war, wie auch ihr ausgeprägter Tierstil, bei allen Stämmen sehr ähnlich. Zu erkennen ist der Totenkult dieser Stämme an ihren Kurganen, es handelt sich um Grabhügel.
Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die für die Mumifizierung wohl aussagekräftigsten Kurgane in Pazyryk, im Altaigebirge gefunden. Der Sythenstamm wurde nach seinem Fundort Pzyryk- Kultur benannt. Innerhalb dieser Eiskurgane wurden, wie auch im Urok-Plateau, eingefrorene Mumien geborgen. Kurgane sind typische skythische Bestattungsbauten, oft 2-3 m hoch aufgeschüttet und unter ihnen befinden sich 4-5 m tief angelegte Katakomben. Die Gräber werden in das 4./3. Jahrhundert v. Chr. datiert, also gegen Ende der Skythenzeit und die Leichname sind mongolischer und europider Herkunft.

Die Mumifizierung zeigte sich in der Entnahme der Organe durch den Unterbauch. Dieser wurde mit verschiedenen Naturmaterialien, wie kurzen Stängeln, Wurzeln, Wolle, Kräutern, Sand und trockenem Torf gefüllt und anschließend mit Pferdehaar vernäht. Die Muskeln von den Schultern bis zum Gesäß wurden entfernt und durch Riedgras ersetzt. Die Kopfhaut wurde abgezogen und das Gehirn durch eine Bohrung entfernt, der Schädel mit Pferdehaar ausgestopft. Nach dem Verschließen der Öffnung zog man die Haut wieder über. Auf der Haut wurden Spuren von Harz, Wachs, Ton und Quecksilber gefunden. Manche Archäologen glauben, dass das Einfrieren in eingesickertes Wasser dieser kalten Gegend, von den Skythen beabsichtigt war.


Abb.25: Mumie eines skythischen Kriegers

Zahlreiche sehr kostbare Grabbeigaben wurden den Toten mitgegeben, darunter auch getötete Pferde und anderes Vieh. Dies läst darauf schließen, dass solche Bestattungen nur den reicheren Stammesmitgliedern zuteil wurden.

Im besonders hohen Maße wurde diese Art der Bestattung den Königen der Skythenstämme zuteil. So berichtet Herodot aus dem Raum der Schwarzmeerskythen, wenn ein König verstarb, wurden ihm die Organe entnommen und die Bauchhöhle mit duftenden Kräutern gefüllt. Nach dem Vernähen des Schnittest rieb man ihn mit Wachs ein und bettete ihn auf einen Trauerwagen. Darauf transportierte man ihn durch sein ganzes Land, bzw. die ihm unterworfenen Stämme. Wer dem König auf diesem Weg begegnete musste sich ein Ohrläppchen abschneiden, Stirn und Nase einritzen und einen Pfeil durch die Hand bohren. Zur Bestattung mussten ihm seine Frau, sein Mundschenk, sein Koch, sein Leibknecht, ein Bote und ein Pferdeknecht in sein Grab folgen. Sie wurden alle erwürgt oder vergiftet, außerdem wurde er mit Pferden, Vieh, Kampfausrüstung und allerlei Kostbarkeiten für das Jenseits ausgestattet.

Die Skythen pflegten auch im Umgang mit ihren Feinden solch grausame Sitten. So tranken sie das Blut ihrer Feinde noch auf dem Schlachtfeld und schlugen ihnen die Köpfe ab. Die gesammelten Köpfe brachten sie ihrem König, um ihren Beuteanteil zu erhalten. Die Köpfe wurden später skalpiert und der Skalp weich gegerbt, so stattete dieser dann die Zügel des Pferdegehänges aus. Aus den Schädeln wurden Trinkbecher gefertigt. Je mehr Feinde ein Skythe tötete, desto mehr Ehren wurden ihm zuteil.

Die Bestattungen und Kurgane waren zwar in ihren Details von Skythenkultur zu Skythenkultur unterschiedlich, doch sie folgten letztendlich dem gleichen Grundprinzip. Mit monumentalen Aufschüttungen, worunter sich fürstlich ausgestattete Grabanlagen befanden. Sie sollten zeigen, dass der Skythenfürst selbst im Jenseits noch über Frau und Gefolge herrscht. Sie strahlen Macht aus und sie waren die Legitimation für die Könige ihrer Zeit.


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